Ey, Freital!

freital_kohlhuber

Demonstration gegen Flüchtlingsunterkunft in Freital. Foto: Sören Kohlhuber.

Ich finde es ja prinzipiell gut, dass meine Artikel inzwischen auch im hintersten Sachsen gelesen werden. Sogar bis nach Freital wurden meine Worte getragen: Am 19. Juni las ein Dirk Jährling auf einer Kundgebung aus meinem Text Im Pik As ist kein Platz mehr, der am 28. Mai bei Zeit Online erschienen war, vor. Man kann sich das bei Youtube ansehen:

Nur, lieber Dirk Jährling, liebe Freitaler, macht doch bitte keine Propaganda mit meinen Texten, erst recht nicht gegen Flüchtlinge. Und nehmt euch nicht nur die Absätze, die euch ins Weltbild passen, und lasst den Rest weg. Das ist unredlich. Jährlings Argumentation geht nämlich so: Zuerst liest er aus einem älteren Artikel des rbb vor, der die Probleme Berlins bei der Unterbringung von Flüchtlingen thematisiert. Dort gab es nämlich im vergangenen November einen Aufnahmestopp. Der rbb schreibt, Jährling liest vor:

Aufgrund des aktuellen Stopps seien im Vergleich zum Oktober dieses Jahres im November rund 250 Flüchtlinge weniger in Heimen untergebracht worden. Die Menschen bekämen Gutscheine für Hostels und Pensionen und müssten sich selbst einen Schlafplatz suchen. Flüchtlinge, die derzeit nach Berlin kämen, würden aber nicht in die Obdachlosigkeit entlassen, betonte Czaja.

Gutscheine für Hotels, das klingt nach Urlaub. Es folgen Zitate aus meinem Text. In dem geht es darum, dass Obdachlose in Hamburg von den Notunterkünften abgewiesen wurden, weil diese überfüllt waren:

Will ein Obdachloser in Hamburg über Nacht ein Dach über dem Kopf, geht er üblicherweise ins Pik As. […] Doch inzwischen ist das Bett für die Nacht nicht mehr sicher – im Pik As werden Schutzsuchende abgewiesen. 91 Menschen erging es in der ersten Maihälfte so.

Jährlings Schluss: „Das ist ein Skandal! Die Deutschen müssen auf der Straße pennen und die Asylanten gehen ins Drei-Sterne-Hotel.“ Das ist, um es klar zu sagen, Lügen durch Weglassen. Zunächst sind Hamburgs Obdachlose nicht alle deutsch, steht auch in meinem Text. Wie auch die Tatsache, dass die Behörden immer mehr Wohnungslose jenseits der Unterkünfte unterbringt. Nämlich – Überraschung – in Hotels:

Dafür steigt die Zahl derer, die die Behörde notgedrungen in Hotels und Pensionen unterbringt, rapide an: 400 sind es inzwischen, fünfmal so viele wie noch 2013. Auf diese Weise bringt die Stadt die Wohnungslosen unter, bei denen sie eine Gefährdung von Leib und Leben befürchtet, sollten sie im Freien schlafen müssen.

Zugleich schreibt der rbb auch, dass an einem Tag im November „20 Asylbewerber in die Obdachlosigkeit geschickt worden“ seien. Das populistische Ausspielen „deutscher Obdachloser“ gegen „Asylanten“ geht also auch anhand dieser Beispiele gar nicht auf. Blöd für euch, ich weiß. Vielleicht hört ihr in Zukunft lieber nicht auf Leute wie Jährling, das bringt euch nur auf dumme Ideen. https://twitter.com/ErikMarquardt/status/614498820752297985 Warum das Problem der Obdachlosen nicht die Flüchtlinge sind, habe ich schon an anderer Stelle erklärt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s