Das könnte so eine schöne Leerstandskarte sein

Schon für unsere Multimedia-Reportage bei Hinz&Kunzt hatte ich die leerstehenden Wohnungen und Häuser, die beim Leerstandsmelder gelistet sind, auf einer Karte gezeigt. Die Message dieser Karte war (unterstrichen durch das verzögerte Einblenden der Häuschen): Es steht verdammt viel Wohnraum in Hamburg leer. Und das bei den horrenden Mieten!

Beim Transparenztag Hamburg kam nun die Frage auf, ob sich die Leerstände der Stadt in Beziehungen zu den Mieten setzen lassen. Auch um zu schauen, ob da ein Zusammenhang besteht. Ich habe also eine Mietstatistik aus dem Dezember genommen und auf einer Karte die Hamburger Stadtteile den durchschnittlichen Mieten entsprechend eingefärbt. Auf diese Karte habe ich dann die Leerstände vom Leerstandsmelder geworfen. Das sieht dann so aus.

Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Miethöhe und Leerständen zu geben. Dort, wo die Mieten hoch sind, gibt es auch verhältnismäßig viele Leerstände. Haben wir da etwas aufgedeckt?

Eher nicht.

Es gibt nämlich keine validen Daten über Leerstände in Hamburg. Die vom Leerstandsmelder sind crowdgesourct, viele Eintragungen mehrere Jahre alt. Manche Gebäude stehen vermutlich nicht mehr leer, gleichzeitig gibt es mutmaßlich noch viele weitere, die aktuell leer stehen. Zwar gibt es seit diesem Jahr die Pflicht für Immobilienbesitzer, Leerstände bei den Bezirken anzuzeigen. Weil die jedoch zu wenig Personal für die Kontrolle haben, machen das längst nicht alle. Die gemeldeten Leerstände sind also auch nicht allumfassend und zudem nicht nach Stadtteilen aufgeschlüsselt.

Woher dann aber der augenscheinliche Zusammenhang zwischen Mieten und leerstehenden Wohnungen? Eine Erklärung wäre, dass es dort, wo die Mieten extrem hoch sind, besonders viele Recht-auf-Stadt Initiativen gibt. Deren Mitglieder tendieren dazu, Leerstand skandalös zu finden und haben die in ihrer Umgebung vermutlich überproportional häufig beim Leerstandsmelder eingegeben.

Schade eigentlich.

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3 Gedanken zu “Das könnte so eine schöne Leerstandskarte sein

  1. Ich kritisiere nicht, bin nur präventiv altklug. Das Projekt ist nämlich ein schönes Beispiel für die Crux beim Datenjournalismus. Wenn er Zusammenhänge aufdecken kann, wissen wir noch nicht, was diese Bedeuten.

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