Kasse machen mit Flüchtlingswohnungen

Der Vermieter der Altonaer Flüchtlingswohnungen hat mit deren Vermietung ordentlich Reibach gemacht, obwohl er es mit der Instandhaltung offenbar nicht so genau nahm. Er profitierte davon, dass in den Appartments viele Flüchtlinge auf engem Raum untergebracht wurden.

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Zahlreiche Risse im Putz: Die Rückseite des Hauses in der Eimsbütteler Straße.

Nachdem in einer Flüchtlingsunterkunft in der Eimsbütteler Straße Anfang Februar nach einer Brandstiftung drei Menschen gestorben waren, gerieten schnell die Zustände im Haus in den Fokus. Das Gebäude war offensichtlich in einem heruntergekommenen Zustand: Der Putz an den Außenwänden zeigte Risse und ein Blick durch ein Fenster offenbarte auch an den Innenwänden abbröckelnden Putz. Schon am Nachmittag nach dem Feuer berichtete mir ein Anwohner:

 „Manchmal, wenn ich den Lichtschalter betätige, explodiert die Glühbirne. Der Hausmeister hat nie etwas gemacht.“ Mit fünf Bewohnern lebe er auf 48 Quadratmetern. „Es wie in einer Kaserne“, sagte er.

Auch die Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Schneider schrieb nach einem Gespräch mit HausbewohnerInnen:

Den Aussagen mehrerer BewohnerInnen des ausgebrannten Hauses zufolge war das Gebäude in einem desolaten Zustand, die Haustür konnte nicht geschlossen werden und Fluchtwege waren versperrt.

Das Haus hat der städtische Unterkunftsbetreiber Fördern und Wohnen von einem Privatmann angemietet und darin Flüchtlinge aus Pakistan, Aserbaidschan und der Russischen Föderation untergebracht. Auf Nachfrage heißt es, dass der Vermieter für Instandhaltungsarbeiten zuständig sei. Es besteht der begründete Verdacht, dass er dieser Verpflichtung nicht unbedingt engagiert nachgekommen ist.

Abkassiert hat er trotzdem. Eine Senatsantwort auf eine kleine Anfrage der Linkspartei (Drs. 20/10817) offenbart, wie viel. Demnach erhält er nicht etwa pro Wohnung seinen Mietzins, sondern pro darin untergebrachten Bewohner. Je mehr Flüchtlinge Fördern und Wohnen also in eine seiner Wohnungen einquartiert, desto besser für den Vermieter. Pro erwachsener Person erhält er monatlich 165 Euro, für ein minderjähriges Kind 108 Euro. Sechsköpfige Familien müssen sich dort 44 Quadratmeter große Wohnungen teilen. Geht man von zwei Erwachsenen und vier Kindern aus, macht das 762 Euro im Monat, bei zusätzlichen Erwachsenen entsprechend mehr. Würden nur zwei Erwachsene die Wohnung bewohnen, läge die Miete bei nur 330 Euro. Doch so steht unter dem Strich ein Quadratmeterpreis von 17,32 Euro.

Das ist sehr viel mehr, als der Hamburger Mietenspiegel für das Haus angibt: 7,46 Euro ist der Mittelwert für die Netto-Kaltmiete, den der Online-Rechner für diese Adresse ausspuckt (Vorausgesetzt, das Haus wurde zwischen 1914 und 1948 erbaut, das habe ich jetzt mal geschätzt).

Das Geschäft mit den Flüchtlingen scheint sich zu lohnen.

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