Feuer in Flüchtlingsunterkunft: Voreilige Schlüsse

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In Hamburg sind am Mittwochabend eine aus Pakistan stammende Frau und ihre beiden Kinder bei einem Feuer ums Leben gekommen. Weil in dem Haus Flüchtlinge lebten, sprechen manche Linke zu schnell von einem „rassistischen Anschlag“ und „Mord“. Dabei ist weder die Brandursache abschließend geklärt, geschweige denn etwas über ein mögliches Motiv bekannt.

Zunächst war die Polizei von einem technischen Defekt ausgegangen, doch am Donnerstagmittag änderte sich das: Die Polizei gab bekannt, dass sie Brandstiftung auf die Flüchtlingsunterkunft von Fördern und Wohnen vermutet. Absolut sicher ist sie sich damit aber auch am Freitag noch nicht. Wer das Feuer gelegt haben könnte und aus welchem Grund, ist bislang völlig unklar (Update 10. Februar: Inwzischen hat ein 13-Jähriger die Brandstiftung gestanden).

Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine rassistisch motivierte Tat gehandelt haben könnte. Zahlreiche Brandstiftungen auf Flüchtlingsunterkünfte im ganzen Land in den vergangenen Monaten sprechen eine deutliche Sprache. Es ist aber auch niemandem damit geholfen, Dinge zu behaupten, die weder ermittelt noch bewiesen sind. Am Ende leidet im Zweifel nur die eigene Glaubwürdigkeit, Entscheidungen werden womöglich aufgrund falscher Informationen getroffen und falsche Realitätskonstruktionen setzen sich durch.

Trotzdem tun das gerade einige Linke. Ein erster Aufruf zu einer Demonstration richtete sich am Donnerstagnachmittag „gegen rassistische Morde und Brandanschlag mit drei Toten“. Am Freitagabend demonstrierten dann einige hundert Linke in Göttingen aus Anlass des Feuers in Hamburg. In einer Pressemitteilung schreiben die InitiatorInnen von einem „erneuten Brandanschlag“:

„Wir gehen davon aus, dass es sich in Hamburg um einen rassistischen Anschlag handelte.“ wurde zur Beginn der Demonstration erklärt. Im vergangenen Jahr schlossen sich an zahlreichen Orten Bürger_innen zu Bürger-Initiativen zusammen, um vor Sammelunterkünften für Asylbewerber_innen gegen jene Front zu machen. […] Die traurige Konsequenz ist der Tod dreier Menschen in einer Gesellschaft, die aus Rostock-Lichtenhagen oder Mölln nichts gelernt hat.

Das alles: bloße Spekulation. Das Problem: Es steht nicht dabei.

Dass man nicht alles glauben soll, was irgendwo geschrieben steht, zeigt auch ein anderes Beispiel vom Donnerstag. Nachdem in antirassistisch bewegten Kreisen eine SMS mit dem Aufruf zu einer Demonstration die Runde machte, zirkulierte wenig später ein Dementi auf dem gleichen Wege:

Brandstiftung wird ausgeschlossen. Geht um „stromklau“. Sicherungskasten beim anzapfen in brand geraten. Es findet keine aktion/demo/ kundgebung statt!!

Das war nicht nur völliger Unsinn, sondern bediente auch das rassistische Klischee, Flüchtlinge würden Strom stehlen. Trotzdem leiteten zahlreiche Aktivisten diese SMS weiter offenbar in dem Glauben, die Information sei wahr. Voreilige Schlüsse helfen niemandem.

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