Amtshilfe

Bei der Fahndung nach in Göttingen versteckten Brandsätzen habe ich der Polizei offenbar mehr oder weniger unfreiwillig Amtshilfe geleistet. In der Nacht zum 25. Dezember wurde auf dem Gelände der Göttinger Bundespolizei ein nicht detonierter Brandsatz entdeckt. Die Polizei schreibt am 27.12. in einer Pressemitteilung:

Die Polizei Göttingen schließt eine politisch motivierte Tat nicht aus. Über die Hintergründe ist bislang nichts bekannt. Ein Bekennerschreiben liegt nicht vor.

Ich habe früher bereits über politisch motivierte Brandanschläge in Göttingen publiziert. Auch in diesem Fall habe ich recherchiert und offenbar mehr herausgefunden als zunächst die Polizei. Ich stieß auf ein passendes Bekennerschreiben, dass auf Indymedia Linksunten publiziert, dann aber wieder gelöscht wurde. Auffällig war, dass der Brandsatz laut dem Schreiben bereits am 21. Dezember ausgelegt wurde – und dass es noch zwei weitere geben sollte. Können tatsächlich drei Brandsätze über so lange Zeit unentdeckt bleiben? Ich schrieb am 28.12. um 1:32 Uhr eine E-Mail an die Pressestelle der Polizeidirektion Göttingen:

Ist Ihnen das Bekennerschreiben bekannt, das am 21.12. auf Indymedia Linksunten veröffentlicht wurde? […] Darauf bezugnehmend: Halten Sie das Schreiben für authentisch? Halten Sie es für möglich, dass die USBV bereits seit dem 21.12. vor der Bundespolizei deponiert war? Haben Sie an den anderen genannten Orten ebenfalls Brandsätze gefunden?
Ich würde mich über eine Antwort bis Samstagmittag sehr freuen.
Auf eine Antwort auf meine Anfrage warte ich bis heute. Am 30.12. versendet die Pressestelle stattdessen eine weitere Pressemitteilung:

Nach dem Fund einer Unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) auf dem Gelände der Bundespolizei in der Nacht zum 25.12.13 (siehe unsere Pressemitteilung Nr. 966 vom 27.12.13) ist im Internet ein Selbstbezichtigungsschreiben einer bislang in Göttingen polizeilich nicht bekannten Gruppierung aufgetaucht. Es wird nach einer ersten Bewertung als authentisch betrachtet. […] Bei einer sofort eingeleiteten Absuche der beiden genannten Objekte entdeckten Beamten daraufhin Samstagnacht (28.12.13) im Eingangsbereich des Hauptzollamtes eine bauartgleiche, wiederum in einer handelsüblichen Plastiktüte verstaute USBV. […] Den dritten Brandsatz fanden Ermittler wenig später in einem Mülleimer in einer Grünanlage in der Nähe des Verwaltungsgerichtes.

Es scheint zumindest nicht unwahrscheinlich, dass meine E-Mail noch in der selben Nacht gelesen und die Fahndung nach den anderen Brandsätzen ausgelöst hat. Für die Beantwortung meiner E-Mail war da wohl keine Zeit. Undank ist der Welten Lohn.

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