Lesetipps zu #HH2112

Inzwischen gibt es neben meinem weitere Artikel, die sich mit der Medienberichterstattung über die Demonstration für den Erhalt der Roten Flora, der Esso-Häuser und ein Bleiberecht der Lampedusa-Flüchtlinge befassen. Ein paar Lesetipps:

Christian Bartlau schreibt in einem treffenden Kommentar auf ntv.de, was nach der Demonstration aus seiner Sicht alles nicht gesagt wird. Zum Beispiel, dass es auch gewaltsuchende Polizisten gibt und dass die Polizei ein politischer Akteur ist. und dass die Medien bei der Berichterstattung versagen:

Viele der Journalisten, die berichten, haben noch nie einen Polizeikessel von innen gesehen, sie hatten noch nie brennende Augen vom Pfefferspray und keine blauen Flecken von einem Polizeiknüppel. Nun muss ein Sportredakteur ja auch nicht Champions League gespielt haben, um über das Spiel zu berichten. Aber er muss seine journalistische Pflicht erfüllen und den richtigen Leute die richtigen Fragen stellen.

Bei Publikative bringt Andrej Reisin die fehlerhafte Berichterstattung mit der „Medienkrise“ in Verbindung:

Wer nur über verletzte Polizisten berichtet, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, aus eigener Anschauung, bei Rettungsstellen, Demonstrations-Sanitäter/innen, Krankenhäusern oder anderen Quellen die Zahl verletzter Demonstranten in Erfahrung zu bringen, sollte sich irgendwann mal fragen, was das eigene Verständnis von Journalismus ist – und ob dieses möglicherweise auch mit der viel beschworenen “Medienkrise” zusammenhängt. Ich persönlich jedenfalls brauche die abstruse Mischung aus Voreingenommenheit, sich permanent widersprechenden Angaben und sensationsgeiler Berichterstattung, die beispielsweise der Ticker der Hamburger Morgenpost am Samstag geliefert hat, beim besten Willen nicht zu meiner Informations- und Meinungsbildung – und ich bin bereit, Wetten darauf zu halten, wie lange überhaupt noch irgendwer solche Modelle von “Journalismus” braucht.

Metronaut stellt nochmal die Frage, welche Folgen die unkritische Übernahme von Polizeimeinungen als Fakten in die Medienberichterstattung hat:

In jedem Fall zeigen die Ereignisse in Hamburg aber, wie einfach sich medial eine “Schuldfrage” spielen lässt, wenn Vertreter der Mainstreampresse nicht die realen Ereignisse vor Ort bewerten, sondern Polizeipressesprechern qua Amt eine hohe Glaubwürdigkeit zuweisen und deren Ausführungen dann eins zu eins übernehmen. Die Kommunikation und Pressearbeit von Demonstrationsbündnissen kann da einfach nicht mithalten, und hat nach einer gewaltheischenden Vorberichterstattung wie in Hamburg auch keine Chance, Ernst genommen zu werden.

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